Die Nutzung von Cloud-Services floriert und wird zur dominierenden Kraft im digitalen Wandel. Das wirft jedoch auch die Frage nach der Nachhaltigkeit dieses Wachstums auf. Ist die Cloud wirklich klimafreundlich? Und wie können Unternehmen mit einer Cloud-Infrastruktur ihren CO2-Fußabdruck reduzieren?

So luftig-leicht die Cloud auch daherkommt, was den Energieverbrauch angeht, ist Cloud-Computing ein echtes Schwergewicht. Je mehr sich SaaS, IaaS, PaaS, Cloud-Data-Warehouse, Künstliche Intelligenz oder smarte Enterprise-Lösungen verbreiten, desto schwerer muss das Data Center arbeiten. Nach einer Bitkom-Studie ist der Energiebedarf deutscher Rechenzentren und kleinerer IT-Installationen in den Jahren 2010 bis 2020 von 10,5 auf 16 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr gestiegen. Bis 2030 soll der Bedarf sogar um 3,5 bis 5 Prozent pro Jahr auf 23 bis 29 Milliarden kWh zunehmen.

Azure, AWS, GCP: Energieeffizienz in den Rechenzentren

Der immense Energieverbrauch der Digitalisierung treibt letztendlich auch die CO2-Emissionen in die Höhe. Die großen Cloud-Anbieter sehen sich hier in der Verantwortung und haben entsprechende Initiativen gestartet. So will Microsoft seine Cloud-Rechenzentren bis zum Jahr 2025 vollständig mit erneuerbaren Energiequellen betreiben. Über den Microsoft Sustainability Calculator können Azure Enterprise-Kunden zudem ihren CO2-Fußabdruck jedes Azure-Abonnements einsehen und Einsparungen hinsichtlich ihrer Workloads und Instanzen identifizieren. Amazon bietet mit dem Customer Carbon Footprint Tool in der AWS Cloud eine ganz ähnliche Lösung. Und auch Google arbeitet fieberhaft an einen vollständig CO2-freien Betrieb seiner Rechenzentren und Standorte.

Nachhaltigkeitspotential Cloud: Zwei Wege

Soviel zu den Cloud-Anbietern. Wie aber können Unternehmen in und mit der Cloud zu mehr Nachhaltigkeit beitragen? Grundsätzlich lässt sich das Nachhaltigkeitspotential der Cloud an zwei Schritten festmachen: Zuerst steht der Umzug in die klimafreundliche Cloud an (CloudMigration). Dann heißt es, nachhaltig haushalten und die Cloud-Nutzung kontinuierlich dem tatsächlichen Bedarf anpassen.

1. Cloud-Migration

Mit der Umstellung von vielen On-Premise-Servern auf wenige große Cloud-Rechenzentren lässt sich der IT-Energieverbrauch und die damit verbundenen CO2-Emissionen senken. Das lässt sich an drei Faktoren ausmachen:

  •  Smarte Infrastruktur
    Moderne Infrastrukturtechnologien in Hyperscale-Rechenzentren reduzieren den Energieverbrauch u. a. durch energieeffiziente Klimatisierung, energieeffiziente Geräte/Server und neue Konzepte zur Abwärmenutzung.
  • Höhere Betriebseffizienz
    Im Unterschied zu überdimensional angelegten privaten Rechenzentren konsolidiert das Cloud-Rechenzentrum die Nutzung und kann eine konstant hohe Auslastung garantieren. Damit ist die Public Cloud in der Regel 2 bis 4 Mal effizienter.
  • Bessere Hardware
    Der Stromverbrauch stellt einen erheblichen Teil der Betriebskosten von Cloud-Anbietern dar. Die IT-Effizienz ist daher ein starker finanzielle Anreiz, Hardwarekomponenten kontinuierlich hinsichtlich ihrer Leistung zu optimieren und zu verschlanken.

2. Cloud-Optimierung

Mit dem Umzug in die Cloud allein ist es jedoch nicht getan. Im Gegenteil, es heißt hier dranbleiben und konsequent an der Optimierung der Cloud-Nutzung arbeiten und damit indirekt auch am eigenen CO2-Fußabdruck. In vielerlei Hinsicht ähnelt die CO2-Optimierung der Kostenoptimierung: Wer in der Cloud richtig haushaltet, kann nicht nur Geld sparen, sondern auch einen Beitrag in Sachen Green IT leisten.

Best Practices für bedarfsgerechte SaaS- und Cloud-Instanzen

Ein gutes Beispiel sind hier IT-Anschaffungen, die keinen echten Mehrwert für Unternehmen darstellen, kaum oder nicht genutzt werden und damit unnötige Kosten verursachen. Das zeigt auch eine von Flexera durchgeführte Umfrage unter CIOs und IT-Verantwortlichen. Laut dem State of ITAM Report 2023 wirft mehr als ein Drittel der IT-Ausgaben keinen echten Mehrwert ab. Das gilt sowohl für On-Premise-Anwendungen (38%) und Rechenzentren (34%) als auch für SaaS und IaaS/PaaS (jeweils 33%).

Dabei bietet gerade die Cloud mit ihrer Agilität einen guten Hebel, um den IT-Konsum in Unternehmen nachhaltiger zu gestalten und dem aktuellen Bedarf anzupassen. Bei SaaS lohnt sich beispielsweise der bereitgestellten SaaS-Instanzen mit der tatsächlichen Nutzung dieser Instanz im Unternehmen. Die Diskrepanz ist hier oft erschreckend groß. Bis zu 30 % der bereitgestellten SaaS-Instanzen werden im Unternehmen nicht genutzt, sei es, dass die Mitarbeiter ausgeschieden oder in einer anderen Funktion tätig sind oder, dass die Instanzen nicht in ihrem vollen Funktionsumfang genutzt werden. Eine genaue Nutzungsanalyse ist dabei zentral, um die Bereitstellung von SaaS-Instanzen neu festzulegen

Die gleiche Devise gilt für Cloud-Instanzen, die viel Speicherplatz einnehmen und damit nicht nur Kosten, sondern auch den Energieverbrauch von Datencentern hochtreiben. Viele Unternehmen schießen hier ganz nach dem Motto „Mehr ist Besser“ über das Ziel hinaus und bestücken virtuelle Maschinen mit reichlich RAM und CPU-Kernen. Die Folge sind überdimensionierte Instanzen, die den Bedarf bei weitem übersteigen. Hier ist noch viel Luft nach oben – vor allem, was den Automatisierungsgrad angeht.

So setzen nach dem State of the Cloud Report 2022 von Flexera 44% der Befragten noch immer auf manuelle Prozesse, um Cloud-Instanzen bedarfsgerecht anzupassen (Stichwort Rightsizing). Immerhin: Mehr und mehr Unternehmen legen angesichts der steigenden Kosten mittlerweile Richtlinien zur Cloudnutzung fest. Sie fahren beispielsweise ihre Workloads nach Geschäftsschluss automatisch herunter (40%) und setzen eine Obergrenze für erlaubte Instanzgrößen/-typen fest (80%).

Hier sind einige zentralen Maßnahmen zur Cloud-Optimierung zusammengefasst:

Cloudmanagement icon

Cloudmanagement

Verwalten Sie die Cloudnutzung mit vorkonfigurierten und benutzerdefinierten Richtlinien zur Automatisierung von Governance, Kosten, Betrieb, Sicherheit und Compliance.

  • Entfernen von Zombie-Servern, ungenutzte SaaS-, IaaS- und PaaS-Anwendungen
  • Deprovisionierung von ungenutzten Speicherkapazitäten
  • Rightsizing von Cloud-Ressourcen
  • Herunterfahren von Workloads nach Geschäftsende
  • Verhindern von Cloud-Sprawl und Rogue-SaaS
  • Fristgerechtes Beenden von Cloud-Abos
  • Umstellen auf klimaneutrale Cloud-Dienste/Anbieter

IT Visibility bleibt Grundvoraussetzung

Egal ob Cloud-Migration oder Cloud-Optimierung – um innerhalb des Cloud Computings Entscheidungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit treffen zu können, braucht es Transparenz über alle IT-Assets im Unternehmen hinweg. Die IT Visibility zeigt, wo Anwender ihr „Konsumverhalten“ ändern können und deckt sowohl Strom- als auch Kostenfresser im IT-Portfolio auf. Am Anfang steht hier zunächst eine gründliche Inventarisierung aller Cloud-Assets. Das gilt übrigens nicht nur für die Cloud, sondern überhaupt für alle IT-Assets, einschließlich Hardware und On-Premise-Anwendungen. So ist beispielsweise auch bei der Hardware nicht nur die Nutzung und die Kosten eines jeden einzelnen Servers zu tracken, sondern auch dessen Stromverbrauch und Wärmeabfuhr.

Eine ganzheitliche Bestandsanalyse baut auf konsistenten IT-Asset-Daten auf. In der Cloud wiederum ist ein sauberes und einheitliches Cloud-Tagging grundentscheidend. Die Metadaten werden den Cloud-Ressourcen hinzugefügt und verraten unter anderem, welcher Cloud-Service von welcher Abteilung genutzt wird und wie hoch seine Auslastung ist. So lassen sich wichtige KPIs überwachen und die Cloud-Assets kontinuierlich optimieren. Ein automatisiertes Tagging erkennt dabei auch, wo Tags fehlen oder nicht korrekt sind und wo Anpassungen nötig sind.

Flexera One für mehr Transparenz

Automatisierte Management-Tools sind zentral, um die hybriden IT-Landschaften in Unternehmen kontinuierlich und im Sinne der Green Economy zu optimieren. Flexera One liefert eine zentrale Übersicht über den gesamten IT-Bestand eines Unternehmens – einschließlich SaaS und Cloud. Die ganzheitliche Lösung basiert auf der umfassendsten Quelle für IT-Produktdaten (Technopedia) und schafft ein aktuelles und konsistentes Fundament für datengetriebene Entscheidungen. Damit sind Unternehmen in der Lage, nicht nur ihre Kosten zu reduzieren, sondern auch vor dem Hintergrund der digitalen Transformation ökonomisch wie ökologisch nachhaltig zu wirtschaften.